Technik ändert sich, Gefühle bleiben!
Klebende und schmierende Tonbänder
Klebende und schmierende Tonbänder

Klebende und schmierende Tonbänder

Die Lagerung von Magnetbändern kann nach einigen Jahren unter Umständen ganz spezifische Probleme mit sich bringen. Bänder quietschen, beim Abspielversuch bilden sich dicke Schmierstellen an Tonköpfen und Bandführungen, welche auch bei Maschinen mit kräftigen Wickelmotoren nach kurzer Zeit zum Bandstillstand führen.

Klebende, schmierende Tonbänder

Der Abspielversuch wird von diesen Schmierstellen, die sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzen, durch deren Bremswirkung hervorgerufen.

Wer noch alte Tonbänder im Schrank hat, der muss also immer damit rechnen, dass diese Bänder früher oder später ihre Funktion versagen. Defekte Bänder haben u.a. die Eigenschaft, dass sich die Magnetschicht ablöst (siehe Bild) und dass somit – wenn überhaupt – nur die tragende Plastikfolie bestehen bleibt (siehe dazu mein Video weiter unten auf der Seite).

Welche Tonbänder sind betroffen?

Das lässt sich leider nicht pauschal sagen! Betroffen ist nicht nur der „Hersteller X“ oder die „Bandmarke Y“. Teilweise sind es nur einzelne Chargen, die diese Probleme haben, manchmal sind es spezielle Tonbandtypen. Besonders negativ sind aber immer wieder die Bänder der Firmen Shamrock und Scotch zu bewerten. So habe ich teilweise schon – vor einigen Jahren – frische Bänder aus der Verpackung genommen, die gleich gequietscht haben und einen enormen Bandabrieb hatten. Auch bei einigen ReVox-Tonbändern gibt es das Problem bei manchen Chargen (zumindest so lange von ReVox die „601 Scotch-Tonbänder“ verwendet wurden).

Die letzten Hersteller von Tonbändern, die es heute noch gibt, behaupten übrigens, dass man inzwischen die chemische Rezeptur geändert habe, sodass es derartige Probleme in Zukunft nicht mehr geben würde. Na ja – warten wir mal 30 Jahre ab und sehen wir dann mal weiter … 😉

Die folgende Liste der ehemaligen Seite „analog-audio.ch“ gibt einen Überblick der besonders anfälligen Marken und Bandtypen:

  • Agfa PE 36
  • Agfa PEM 269*
  • Agfa PEM 369*
  • Agfa PEM 469*
  • Ampex 456
  • Ampex 457
  • Ampex 499
  • Ampex GP9
  • BASF SPR-50 LHL
  • BASF SM-911 (nur 1/2“ – 2“)
  • BASF diverse LH HiFi Heimtonbänder (chargenabhängig)*
  • BASF PES-26
  • Revox PE 36 RX (Agfa PE 36)
  • Revox 631 (Scotch Classic)
  • Revox 641 (Ampex 457)
  • Scotch 201
  • Scotch Classic
  • Scotch 996
  • Shamrock**

* Bei diesen Bändern kommt es häufig vor, dass sich die Magnetschicht mit der Bandrückseite verbindet, und sich beim Umspulen vom Trägermaterial löst. Hier gibt es meist keine Rettung mehr.

**Hier handelt es sich um recyceltes (gelöschtes) Bandmaterial, vornehmlich aus amerikanischen Behördenbeständen. Die Bänder stammen größtenteils von Ampex und Scotch und sind von unterschiedlicher Qualität.

Was ist der Hintergrund?

Technisch liegt es an den hygroskopischen (wasseranziehenden) Eigenschaften der auf die Trägerfolie aufgebrachten Magnetschicht. Die Feuchtigkeit löst die Magnetschicht von der Trägerfolie ab und bildet zusammen mit der Magnetschicht diesen Schmierfilm. Dieser Prozess lässt sich durch eine Lagerung bei geringer Luftfeuchtigkeit und konstanter Temperatur zwar verzögern, jedoch nicht vermeiden. Es gibt aber einige wenige Bänder, bei denen so etwas – zumindest bis jetzt – noch nie aufgetreten ist.

Kann man defekte Tonbänder reparieren oder restaurieren?

Ja! Allerdings ist dies sehr zeitaufwändig und benötigt einiges an Erfahrung. Ich selber habe es bisher noch nicht ausprobiert. Bekannt ist aber, dass man Tonbänder „aufbacken“ kann. Sehr interessant ist auch dieser Artikel (Englisch) und dieser Artikel (PDF-Dokument, deutsch) zum Thema „Tonbänder restaurieren“.

In den folgenden beiden Videos (Englisch) wird Schritt für Schritt das Backen von Tonbändern erklärt. Welche Temperatur wird verwendet? Welche Art von Ofen sollte man benutzen? Kann man die Tonbänder nach dem Backen ganz regulär abspielen? Hier sind die Antworten.

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Vorbeugen ist besser!

Natürlich: vorbeugen ist immer besser als Nachsorgen. Aber wer kann schon ahnen, dass sich die eigenen Tonbänder irgendwann in Wohlgefallen auflösen? Trotzdem ist es für viele Tonbandfreunde sicherlich interessant, wie ein optimales Schallarchiv aufgebaut sein sollte. Die Schweizer Nationalphonothek gibt in diesem Artikel einen kleinen Einblick in das eigene Archiv und berichtet über klimatische Bedingungen und die technische Ausstattung des Archivs. Sollte der direkte Link nicht funktionieren, findet sich der Artikel unter dem Navigationspunkt „Einblicke –> Konservierung“.

Mein klebendes Tonband – Videodokumentation

Eines Tages holte ich mal wieder ein altes Band aus dem Schrank. Es lag bestimmt ein oder zwei Jahre an unterster Stelle auf dem Stapel. Nachdem es nicht beschriftet war, war ich umso neugieriger auf den Inhalt. Zutage kam ein vollkommen verklebtes und von seiner Magnetschicht größtenteils befreites Band eines mir nicht näher bekannten Herstellers. Das Band klebte so ineinander, dass es nicht mal mehr vom freitragenden Wickel (Bobbie) herunterrutschte. Dazu folgendes Video.

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14 Kommentare

  1. Siegfried

    Grüß‘ Dich Christoph,
    mit Interesse habe ich einige Deiner Rubriken gelesen und von Deinen Download-Angeboten Gebrauch gemacht (…wobei der Download-Link einer Bandposition entsprach, die man beim Abspielen immer wieder verpasste..). Da mir immer wieder mal Revox-Bandmaschinen überlassen werden bzw. zur Reparatur in die Hände gehievt werden, bin ich aktuell bei der Fehlersuche an einem A77 auf Deine Seite aufmerksam gemacht worden. Die KI-Recherche ist in solchen Fällen durchaus ein nützliches Werkzeug, auch wenn Chat-GPT und Co. auch bei Fehleranalysen ziemlich phantasieren. Das TB ‚läuft‘ wieder, eine quantitative Überprüfung der Eigenschaften erspare ich mir. Hinsichtlich der miserablen Umspulgeschwindigkeiten des A77 wurde meine Vermutung allerdings bestätigt. Nach mühseligen Vorspulen bemerkte ich beim Blick in den Bandwickel, dass die schwarze Bandrückseite zusehends braun wurde und im Bereich der Köpfe sammelte sich der Abrieb mit dem Tonträgerfolienmaterial an. Entsprechend war dann die Wiedergabe! Es bleibt mir die Überprüfung von 10 überlassenen Bändern. Noch viel Freude bei der Pflege der ausgezeichneten Webseite.
    Siegfried

    1. Hallo Siegfried! Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar! Wenn sich Tonbänder auflösen, ist das wirklich ärgerlich. Nicht nur wegen der Bänder, sondern auch wegen der „Sauerei“ im Bandlauf! Ich hatte das auch schon mit alten Bändern an meiner A77 … Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß mit meiner Seite und den Bandmaschinen! 🙂

  2. Heinz Anderle

    Soja-Lecithin als Dispergiermittel für die feinen magnetischen Oxidpartikel im Gemisch aus Lösungsmittel und Polymeren zu verwenden war von vornherein keine gute Idee: die darin reichlich enthaltene Linolsäure, eine zweifach ungesättigte Fettsäure, neigt an feuchter Luft durch Selbst-Oxidation zum ranzig Werden. Dies führt neben dem Schmieren und Kleben auch zum typischen ranzigen Geruch solcher Bänder. Solche Probleme wurden zuerst bei Datenspeicherbändern bemerkt und untersucht, im Bereich der Audiobänder aber offenbar nie breit getreten, bis es schon zu spät war.

    (Die Zusammensetzung der Dispersionen zum Beguß der Trägerfolie läßt sich zumeist nur aus den offengelegten Patenten ermitteln.)

  3. Heinrich Kolotylo

    Hallo, dem kann ich mich nur anschließen, bin seit einigen Jahren im Besitz einer Revox A77 MK III und benutze hauptsächlich Maxell XLII Bänder die zwar schon alt sind aber immer noch beste Ergebnisse garantieren und nur wenig Abrieb hinterlassen. Schade nur dass sie derzeit kaum bezahlbar sind1

    1. Heinz Anderle

      Maxell XL II Bänder sind als „Extra Efficiency“-Typ II-Bänder nur für wenige Bandmaschinen etwa von Akai oder Teac geeignet, nicht aber für die Revox-Modelle. Es muß sich daher wohl um UD-XL- oder XL-I-Bänder handeln.

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