Tonbandvergleich

Seit der Insolvenz von EMTEC stehen viele Tonbandnutzer vor der Frage welches Bandmaterial sie verwenden sollen. Viele Nutzer verwenden inzwischen die Produkte von RMG bzw. Pyral. Andere wiederum kaufen gebrauchte Bänder oder „NOS“-Artikel („New old stock“ = Originalverpackte Lagerbestände). Dies ist sicherlich eine Möglichkeit, aber nicht unbedingt eine Garantie für einwandfreies Bandmaterial.

Altes AGFA Tonband vom Typ PER 525 - der Vorläufer des heute immernoch sehr beliebten und inzwischen nicht mehr produzierten RMG PER 528. (Foto: Luka Gudelj)

AGFA PER 525 Tonband

Von 2005 bis ca. Mitte 2007 wurden auch wieder Tonbänder bei Quantegy in den USA hergestellt. Quantegy hatte dann aber wenig später Insolvenz angemeldet. Das was man jetzt noch von Quantegy bekommt, sind Restposten! Aktuell (März 2016) ist die Webseite der Firma Quantegy nicht mehr erreichbar oder vielleicht auch gar nicht mehr existent.

Wichtiger Hinweis: Die Firma RMG hat im Februar 2012 die Produktion eingestellt und an die Firma Pyral in Avranches Cedex (Frankreich) übergeben. Pyral ist eine ehemalige Tochtergesellschaft der „EMTEC Magentics Germany“ und befindet sich seit dem Jahr 2004 in Privatbesitz. Die Firma ist nach der Qualitätsmanagementnorm ISO 9001 zertifiziert. Das Warensortiment und die Preise bleiben vorläufig unverändert. Mehr zum Thema erfährst Du auch in diesem ausführlichen Artikel.

Aber zurück zum Thema Quantegy:

Viele Tonbänder dieser Firma besaßen sehr ähnliche Eigenschaften wie die früheren BASF bzw. EMTEC Bänder (und heutigen RMG- / bzw. Pyral-Produkte) weswegen eine Bandmaschine auch nicht unbedingt neu auf dieses Bandmaterial eingemessen werden musste. Einziger Nachteil an Quantegy: die Wickeleigenschaften sind bei Offenwickelbetrieb (also mit Bobbys) nicht so gut wie früher bei BASF Bändern. Grund: in den USA waren diese Eigenschaften kaum gefragt.

Tonbandvergleich: RMG vs. Quantegy

EMTEC Typ (RMG) Länge, Konfektionierung Vergleichstyp / Quantegy

LPR 35 Professional 18 cm/540m  auf Kunststoffspule 457/18,  407/18
26,5 cm/1080m auf NAB-Metallspule 407
26,5 cm/1080m auf NAB-Kern, Rohwickel ohne Spule 457/1100m NAB-Rohwickel
13cm/270m auf Kunststoffspule 407/13
DP 26 Doppelspielband * 13 cm/360m auf Kunststoffspule Quantegy 652
18 cm/730m auf Kunststoffspule
TP 18 Dreifachspielband * 661
EMTEC SM 900 Studio Master ¼“ 762m auf NAB-Metallspule GP 9
EMTEC SM 911 Studio Master ¼“  762m AEG Kern 456, 478
Studio-Masterband ¼“ 1000m AEG Kern
¼“  762m auf NAB Metallspule 456, 478
¼“  366m auf Spule 18 cm 456
PER 368
PER 528 Broadcast * 478
EMTEC SM 468 ¼“  762m AEG Kern 480

 * = diese Typen werden von RMG nicht mehr gefertigt.

Der andere ehemals große deutsche Hersteller ORWO aus der DDR

ORWO Tonband aus der DDR

ORWO Tonband aus der DDR

Von 1943 bis 1998 wurden bei der Firma ORWO auch diverse Tonbandtypen gefertigt die im ganzen damaligen Ostblock zum Einsatz kamen – sowohl im Cosumer, als auch im professionellen Bereich. Die Webseite https://orwo.bg19.de/ widmet sich sehr ausführlich allen ehemals hergestellten Tonbandtypen in Wort und Bild! Wer Informationen rund um ORWO Tonbänder sucht, wird hier fündig!

Die ORWO-Geschichte*

1909 gründete die Agfa AG in Wolfen (jetzt Bitterfeld-Wolfen), Landkreis Anhalt-Bitterfeld, die Filmfabrik Wolfen, die später mit der Marke ORWO (Abk. für „Original Wolfen“) das Monopol auf die Filmherstellung in der DDR haben sollte. Neben Filmen für die Fotografie wurden auch Kinofilm für die Filmkunst, Reprografie- und Röntgenfilmmaterial sowie technische Filme, Tonbänder, Kassetten und Platten hergestellt.

Kriegsende und Nachkriegszeit

Am 20. April 1945 wurde die Filmfabrik durch die US-Streitkräfte übernommen. Es folgte eine systematische Durchsicht durch amerikanische und englische Experten. Bis zum Besatzungswechsel am 1. Juli 1945 wurden wichtige Dokumente wie Patentschriften, Rezepte, Direktionsakten und Forschungstagebücher, Spezialchemikalien und Edelmetalle beschlagnahmt. Das auf diese Weise gewonnene Fachwissen wurde der amerikanischen fotochemischen Industrie zur Verfügung gestellt. Wenige Jahre später bot Eastman Kodak einen Farbfilm an, der auf dem Wolfener Verfahren basierte. Per SMAD Befehl Nr. 156 vom 22. Juli 1946 ging die Filmfabrik Wolfen in sowjetisches Eigentum über und wurde der FOTOPLIONKA Sowjetischen Aktiengesellschaft (SAG) „Mineral-Düngemittel“ zugeordnet.

Viele Mitarbeiter verließen die SBZ in Richtung Westen, um sich in den dortigen Agfabetrieben eine berufliche Zukunft zu suchen. In Wolfen begannen 1946 die von der SMAD angeordneten Demontagen bei gleichzeitiger Beschlagnahme der Produktion aus Reparationsgründen. 50 % der Produktionsanlagen zur Herstellung des erst seit 1936 produzierten Farbfilms wurden demontiert und nach Schostka / Ukraine verbracht, um dort das Farbfilmwerk Nr. 1 der UdSSR zu errichten. (Dabei handelte es sich um eine der wenigen „erfolgreichen“ Demontagen. Die Mehrzahl demontierter Industrieanlagen wurden in der Sowjetunion nie in Betrieb genommen.) Hierzu wurden Ingenieure und Meister aus Wolfen verpflichtet, die z.T. mit ihren Familien in die UdSSR reisten, um dort die Montage und das Anfahren der Produktion zu übernehmen.

Übergang in die Marktwirtschaft nach dem Mauerfall

1990 wurde das Fotochemische Kombinat aufgelöst und der Wolfener Stammbetrieb zum 13. Juni 1990 in die Filmfabrik Wolfen AG umgewandelt. Deren gesamtes Aktienkapital in Höhe von 230 Mio. DM hielt die Treuhandanstalt. Es folgte 1992 eine Aufspaltung der Filmfabrik Wolfen AG in die Wolfener Vermögensverwaltungsgesellschaft AG und die Filmfabrik Wolfen GmbH. Die Privatisierung der Filmfabrik Wolfen GmbH scheiterte. 1994 wurde die Liquidation des Unternehmens eingeleitet.

Neuer Eigentümer der Liquidationsmasse der Filmfabrik Wolfen GmbH wurde im Herbst 1994 der Fotoindustrielle Heinrich Manderman. Er gründete die ORWO AG, die jedoch im November 1997 ebenfalls insolvent wurde.

Kleine Teile der Filmfabrik stellten sich daraufhin 1998 neu auf. Seither produziert und konfektioniert die FilmoTec technische Filme (wie Überwachungsmaterialien und Holografie) sowie schwarzweiße Cinefilme am Standort Wolfen für den gesamten Weltmarkt unter Nutzung der Marke ORWO. Die ORWO Media GmbH stieg in die digitale Fotodienstleistungsbranche ein. Die Herstellung chemischer Farbfilme hingegen wurde eingestellt.

Am 25. September 2002 wurde die ORWO Net GmbH gegründet. Sie übernahm am 1. Oktober 2003 das operative Geschäft der Vorgängergesellschaften im Fotodienstleistungsbereich und hat die Markenzeichen ORWO und PixelNet erworben.

Am 27. November 2009 erwarb die ORWO Net GmbH aus Sachsen-Anhalt die Vermögenswerte der insolventen Foto Quelle GmbH, darunter die Marke „Foto Quelle“ sowie „Revue“. ORWO Net kooperierte bereits seit dem Jahr 2005 mit Foto Quelle und produzierte alle Erzeugnisse rund ums Bild.

* Textquelle: Wikipedia Artikel über ORWO

Wo kann man Tonbänder kaufen?

Einige der oben in der Tabelle genannten ehemaligen BASF / EMTEC Produkte werden nun wieder von der Firma „Pyral“ bzw. „Recording The Masters“ (RTM) gefertigt. Tonbänder kannst Du direkt in meinem Thomann-Partnershop bestellen.

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