STUDER ReVox Geschichte

Keine Frage: Willi Studer war das, was man „landläufig“ einen „Unternehmer von altem Schrot und Korn“ zu nennen pflegt, ein Selfmademan „wie er im Buche steht“, und zweifellos darf er zu den Unternehmerpionieren gezählt werden, die ein Stück Schweizer Industriegeschichte geschrieben haben.

Willi Studer

Willi Studer

Der Aufbau seiner Firma, die Produkte, die er schuf, die Erhaltung und der sorgfältige, stets wohlüberlegte Ausbau seiner Unternehmensgruppe sowie das Wohlergehen seiner Mitarbeiter standen uneingeschränkt im Mittelpunkt seines Daseins. Wenn Willi Studer seinen Betrieb „meine Familie“ nannte, dann meinte er das nicht nur scherzeshalber: Studer-ReVox war seine Familie, sein Lebensinhalt dem er alles unterstellte.

Mit diesen Worten beginnt das Kapitel „Vom Verkauf zum Ausverkauf“ aus dem Buch „Die sprechenden Maschinen“. Dieses Buch beschreibt auf über 400 Seiten mit hochinteressanten Texten und meisterlich angefertigten Fotos die Geschichte der Firmen Studer und ReVox – vom Anfang bis zum Ende.

Jeder der sich nur mal halbwegs mit der Geschichte der Firmen auseinandergesetzt hat, wird mir zustimmen, dass es vollkommen vermessen wäre die Geschichte hier auf einer Seite der Homepage allumfassend und möglichst komplett abzuhandeln.

Das geht einfach nicht – und das ist auch nicht das Anliegen meiner Homepage! Demzufolge gebe ich auf dieser Seite auch nur ein paar grundsätzliche Informationen zum Thema „Geschichte der Firmen STUDER und ReVox“. Wer mehr wissen will, dem empfehle ich unbedingt das Buch „Die sprechenden Maschinen“ von Peter Holenstein.

Wichtiger Hinweis: Das Buch „Die sprechenden Maschinen“ ist aktuell im Handel und bei Amazon nicht mehr als Neuware verfügbar. Der Grund dafür ist, dass der Autor Peter Holenstein leider keinen Verlag gefunden hat, der dieses Buch erneut veröffentlichen möchte. Der bisherige Verlag hat seine Arbeit komplett eingestellt. Für die Zukunft ist aber als Kooperation zwischen dieser Webseite und dem Autor ein so genanntes E-Book geplant (im PDF-Format), welches man dann über diese Webseite käuflich erwerben können wird. Sobald dies verfügbar ist, wird auf geeignete Weise darauf auf der Webseite hingewiesen!

Spuren der Zeit – Spulen der Zeit

Der ca. 40-minütige Film aus dem Jahr 1994, zeigt die beeindruckende Geschichte des Industriepioniers Will Studer und seiner Firmen STUDER und ReVox. Von den Anfängen mit seinem Vater 1948 in einer kleinen Garage, über die Höhepunkte mit 1.800 Mitarbeitern und Jahresumsätzen von 200 Millionen Schweizer Franken in den 1980er Jahren, bis zum Ausverkauf, Mitarbeiterentlassungen und der Zerschlagung beider Firmen 1994.

Zu Wort kommen neben Willi Studer auch seine Sekretärin Martha Streuli und einige (bedeutende) Mitarbeiter wie Paul Zwicky und Ernst Unterluggauer.

Willi Studer

Im Jahre 1948 gründete ein unternehmungslustiger junger Mann namens Willi Studer seine erste Firma. Kapital hatte er keines – nur die Anzahlung eines ersten Kunden. Mit Tag- und Nachtarbeit konnte der erste Auftrag in sechs Monaten geliefert werden. Dies bedeutete den erfolgreichen Start einer Firma, die später vor allem auf dem Gebiet der Tonbandgeräte Weltruf erlangen sollte…

Die STUDER und ReVox Geschichte

Willi Studer - Die STUDER ReVox Geschichte

Willi Studer – Die STUDER ReVox Geschichte

Schon lange bevor Hi-Fi zur Norm und damit Allgemeingut wurde und bevor sich die Anspruchsvollen der High – End – Welle zuwandten oder – besonders in den USA – Geräte mit dem Etikett „Esoteric“ bevorzugten, war es etwas Besonderes, eine ReVox – Anlage aus dem Hause STUDER zu betreiben. Warum eigentlich?

Hier mischten sich das Omen Schweizer Qualität mit dem guten Namen, den sich der junge Willi schnell verdient hatte, und den besonderen Qualitätseigenschaften seiner Produkte – nicht erst seit dem legendären A77 aus dem Jahr 1967 mit senkrecht stehenden Tonbandspulen.

Sein erstes Tonbandgerät mit Dreimotoren-Laufwerk und Direktantrieb ohne Riemen und Reibräder war 1954 das ReVox A36. Er hat im Startjahr mit etwa 40 Mitarbeitern 2.500 Stück davon produziert. Anlässlich des Silberjubiläums von ReVox erschien 1973 ein erster umfassender Tätigkeitsbericht.

Wilhelm Studer schrieb zur Einleitung:

„Es ist üblich, zum 25-jährigen Bestehen eines Unternehmens Rechenschaft abzulegen über das, was erreicht wurde. Ich will das so kurz wie möglich tun, damit wir uns wieder an die Aufgaben machen können, die vor uns liegen. Wir dürfen mit dem Resultat der hinter uns liegenden Jahre zufrieden sein… Mit der Begeisterung und Liebe zu unseren Produkten läuft parallel unser Wille zur technischen Perfektion und bestmöglichen Qualität bei möglichst tiefen Preisen oder, um mit Henry Ford zu sprechen, „Dienen vor Verdienen“ zustellen. Das Gewinnstreben muss also eindeutig an zweiter Stelle folgen“.

Willi Studer im Jahr 1973

Willi Studer kam am 17. Dezember 1912 als Wilhelm Mosimann in Zürich zur Welt. Er hat seine leiblichen Eltern nie gekannt und wuchs bei Pflegeeltern auf, deren Namen er im Alter von 14 Jahren annehmen durfte, und erst damit war er Willi Studer. Auf neun Jahre Grundschule folgte eine von ihm nach wenigen Monaten abgebrochene Lehre als Elektrofeinmechaniker. Grund für den Abbruch: sein Meister konnte ihm nichts mehr beibringen!

Mit 19 gründete er seine erste Firma, baute Radioempfänger unter der Marke „Tell“, für die sein Vater als Möbelschreiner die Gehäuse fertigte. Trotz des Radiobooms Anfang der 1930er Jahre dauerte dies nicht lange, denn Vater wie Sohn waren Perfektionisten und ihre Apparate zu gut und zu teuer. Willi machte dann noch eine Fachprüfung in Radiotechnik und gewann bald einen guten Namen als Radiokonstrukteur bei verschiedenen Firmen.

So erhielt er 1948 von der „Haefely & Cie AG“ aus Basel (heute „Trench Switzerland AG„) zweierlei: einen Auftrag für zehn Spezialoszillographen für Hochspannungs-Prüffelder und eine Vorauszahlung von 30.000 Schweizer Franken, die er als Startkapital für die Firmengründung in Herisau nutzte. Übrigens hat Willi Studer noch 20 Jahre lang Oszillographen für Haefely entwickelt und gebaut, die letzte Serie wurde 1968 ausgeliefert.

STUDER 27A

STUDER 27A

Zur Audio- und besonders zur Tonbandtechnik kam er 1949. Da wurden Tonbandgeräte aus den USA importiert, die sich im Originalzustand allerdings als kaum verkäuflich erwiesen. Studer hat sie im Auftrag des Importeurs für Europa hergerichtet. Aber er wollte Tonbandgeräte lieber selbst konstruieren und bauen.

Der Importeur bestellte 500 Stück, das war der Start der „Dynavox“-Geräte. Schon für sie wurden eigene Tonköpfe entwickelt, und Ende 1949 war das „erste europäische Amateur-Tonbandgerät“ reif für die Serienfertigung. Im Laufe des Jahres 1950 erhöhte sich die Zahl seiner Mitarbeiter für die Produktion auf 25.

Am 27. März 1951 gründete er als Verkaufsgesellschaft die „Ela AG“ und änderte den Markennamen in „ReVox“ mit dem „Re“ für Recording und „Vox“ für Stimme. Schon ein Jahr später wurden außer dem ReVox Tonbandgerät T26 die ersten 100 Studiotonbandgeräte Typ A27 gebaut (siehe Bild).

Von da an begann die „Bilderbuchgeschichte“ der Firmen STUDER und ReVox. Beiden Firmen wuchsen nahezu unaufhörlich. Immer mehr Mitarbeiter mussten eingestellt werden und auch die Umsätze stiegen kontinuierlich…

Vor der Funkausstellung 1977, also 14 Jahre nach der Einführung der Compact-Kassette, überraschte Willi Studer die Audiowelt nicht etwa mit einem Kassettendeck, sondern mit einem Plattenspieler mit Tangential-Tonarm. Dazu hieß es 1977:

„Sein ReVox-Magnetbandgerät A77 ist nun seit zehn Jahren am Markt und kam in 105 Versionen auf 350.000 Stück, von denen rund 50 Prozent während der letzten vier Jahre produziert wurden. Von Compact-Cassetten hält man bei Studer Revox für Hi-Fi noch nicht viel. Dafür erscheint jetzt als Ergänzung des Audioprogramme sein eigener Plattenspieler.“

ReVox A77

ReVox A77

Den präsentierte Entwicklungsleiter Paul Zwicky vor der Presse und nicht etwa der Chef selbst, denn Willi Studer war nie ein Mann großer Worte und vermied Ansprachen, soweit er irgend konnte. Das Besondere des neuen Plattenspielers ReVox B790 war die Kürze seines Tangential-Tonarms von nur 40mm. Dessen Bewegung radial zur Platte wurde von einem optoelektronischen Servosystem gesteuert.

Erst 1980 konnte die Fachpresse schreiben:

„Ein Durchbruch scheint sich für Compact-Cassetten bei Revox in Regensdorf anzubahnen. Bisherige Bedenken, ob und inwieweit wirklich anspruchsvolle HiFi mit Compact-Cassetten zu realisieren sei, scheinen nun durch das Reineisenband und besonders durch die mit ihm entstandenen stabileren Compact-Cassetten für den Amateur wohl ausgeräumt. Ein Revox Hi-Fi-Cassettendeck, nach dem immer wieder gefragt wurde, könnte noch in diesem Jahr das Licht der Öffentlichkeit erblicken.“Über STUDER ReVox in der Fachpresse 1980

Das Gerät erschien dann als ReVox B710 im Jahr 1981.

Studer verstand es, die besten Leute um sich zu scharen, ihnen sein Qualitätsbewusstsein zu vermitteln und sie mit fachlicher Kompetenz zu überzeugen. Dabei war er gern nach einem fast obligatorischen Waldlauf frühmorgens der erste im Betrieb. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nannten ihn auch „Vater Studer“, einerseits wegen seines durchaus direkten Führungsstils und andererseits, weil er niemals ein Mitglied seiner „großen Familie“ in einer Notlage hängen ließ.

Er liebte klassische Musik, modernste Produktionsmaschinen und fuhr mit Vergnügen seinen Jaguar. Als Gourmet hatte er ein Geheimrezept, kritische Situationen oder schwierige Verhandlungen erfolgreich zu beenden: Er lud alle Beteiligten zum Nachtessen in ein gutes Restaurant ein, und spätestens beim Dessert war man sich einig…

1978 wurde Willi Studer von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich der „Doktor der Technischen Wissenschaften ehrenhalber“ verliehen. Die Studer Revox Gruppe hatte 1986 rund 2.000 Mitarbeiter und erzielte einen Jahresumsatz von 220 Millionen Schweizer Franken.

STUDER D827

STUDER D827

Mit über 70 Jahren startete er das größte Projekt seiner Firmengeschichte: die Entwicklung einer digitalen Mehrkanal-DASH-Tonbandmaschine vom Typ STUDER D827. Studer war der einzige Hersteller außerhalb Japans, der jemals solche Maschinen produzierte.

1990 verkaufte Willy Studer sein „Imperium“ für rund 30 Millionen Schweizer Franken zuerst an die „Motor Columbus AG“ (heute „Atel Holding AG„). Heute gehört STUDER der amerikanischen Harman Gruppe – ReVox geht seit 1990 eigene Wege. Seit dem Verkauf der beiden Firmen hat sich viel verändert – nicht nur zum Guten!

Viele Mitarbeiter mussten vor allem bei STUDER in Regensdorf bei Zürich gehen. ReVox setzt heute mehr auf die Elemente des Marketing wie Image und Design. Auch STUDER hat sich im Auftreten stark verändert. Der „Geist“ von Willi Studer ist aber auch heute noch bei beiden Firmen zu spüren.

Willy Studer starb im 84. Lebensjahr am 1. März 1996.
Aus Markt & Technik 25 vom 21.6.1996 (teilweise ergänzt und umgeschrieben)

Multimedia

Nach dem Verkauf seiner Firma im Jahr 1990 an „Motor Columbus AG“ ging es mit STUDER innerhalb kurzer Zeit finanziell bergab. Die Sanierung durch Motor Columbus verschlang alleine 200 Millionen Schweizer Franken, die Hälfte der Belegschaft musste gehen. Als Resultat daraus, musste STUDER weiterverkauft werden und ging an die Firma Harman. Der Folgende TV-Bericht aus dem Jahr 1994 zeigt, wie Willi Studer vier Jahre nach dem Verkauf seiner Firma mit ansehen musste, wie sein Lebenswerk zerschlagen und weiterverkauft wurde…

STUDER heute

Wer ist heute eigentlich für die Geschicke der Firma STUDER verantwortlich?

Übersicht der wichtigsten STUDER und ReVox Produkte

Eine Übersicht über die wichtigsten von STUDER und ReVox bis 1991 (und danach) gefertigten Produkte mit Angaben zu den Herstellungsjahren findet man auf folgenden Seiten:

Ein Kommentar

  1. Ich habe mein Revox T26 dem Musikautomaten Museum in Seewen SO übergeben.Das Gerät ist dort sicher zu besichtigen.

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